Berlin Fashion Week – Bericht aus der Modelperspektive

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BERLIN, GERMANY – JANUARY 19: A model walks the runway at the Greenshowroom show during the Mercedes-Benz Fashion Week Berlin Autumn/Winter 2016 at Postbahnhof on January 19, 2016 in Berlin, Germany. (Photo by Thomas Lohnes/Getty Images for Greenshowroom)

Puh, das bin also tatsächlich ich. Crazy. Ich kann es eigentlich immer noch nicht recht glauben, dass ich da mal eben so über den Berliner Catwalk flaniere.

Seit Kindestagen an wollte ich schon immer modeln, so lange war es ein persönlicher Wunsch von mir, einmal in der Hauptstadt bei DER größten Fashionveranstaltung überhaupt mitlaufen zu dürfen – und nun ist das wirklich eingetreten. Ich bin einfach nur glücklich.

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Photo by Thomas Lohnes/Getty Images for Greenshowroom

Doch wie kam es dazu?

Dafür galt es zunächst von Casting zu Casting zu rennen – und das war wirklich so, wie man das aus Germanys next Topmodel so kennt. Dir werden von der Agentur die Kunden und deren Adresse genannt und du musst alle Termine in der Zeit abarbeiten. Gar nicht so einfach, wenn man die Stadt nicht kennt, kein funktionierendes Internet hat und auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist. Dummerweise bin wohl nur ich der einzige Mensch, dessen mobile Daten nur für den minimalsten Austausch von kleinen Whatsappnachrichten taugen, aber abgesehen davon, war es auch mit voller Handyausrüstung schwierig alle Termine einzuhalten, DENN:

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du musst warten. Und warten. Und warten. Und manchmal da muss man auch ein bisschen warten. Manche sagen auch, man wartet eben ein bisschen. Man muss sich nur hinten anstellen und dann eben warten. Manchmal ging es sogar recht schnell. Dann kommst du wieder in irgendeiner Location an, schlüpfst schnell in deine hochhackigen Schühchen, marschierst im Castingraum einmal auf und ab, lässt deine Sedcard dort und gehst dann wieder. So einfach und schnell. Und dann husch husch, geschwind weiter. Einmal quer durch Berlin bitte ans andere Ende kommen. Und zwar schnell. Das Casting geht nur noch bis 13.00 Uhr, hat sich verschoben. Bitte alle Models nun ganz schnell zu diesem Designer. Schnell. Dass du gerade in Berlin Kreuzberg stehst, auf die nächste Bahn warten musst und noch einige Male umsteigen musst, bis du dann wieder im Hotel nahe dem Berliner Zoo bist, ist egal. Hauptsache du bist schnell genug dort.

Aufjedenfall kann ich nun fast sagen, dass ich wirklich überall in Berlin war. In drei Tagen im Schnelldurchlauf. Kreuz und quer bin ich durch die City gedüst und hatte immer meine High Heels und mein Buch im Gepäck. Das ist wichtig. Das kennen ja die meisten auch schon aus der Modelsendung von Donnerstagabend.

Eigentlich model ich nun schon seit ein paar Jährchen. Allerdings anders. Irgendwie angenehmer. Für mich war diese Castingrunde etwas ganz neues und einfach mal super spannend zu beobachten.

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Die meiste Zeit habe ich mich eher wie ein anonymer Beobachter gefühlt als zu realisieren, dass ich ja gerade auch ein Teil von dieser Modelwelt bin. Und ja, diese Modelwelt ist crazy.

Ich habe so extrem dünne, nein eher dürre Mädels gesehen, das war wirklich nicht mehr feierlich. Ich weiß, dass ich dünn bin, aber für das richtige modeln, muss man noch dünner sein. Da muss man mager sein. Aber darauf hab ich keinen Bock 😀 Dafür liebe ich Pizza und Pasta zu sehr und finde das auch wirklich nicht schön. Ehrlicherweise möchte ich einige Körper der Mädels dort wirklich nicht geschenkt haben. Sie haben zwar keinen Hintern und dafür auch noch keine Brüste, aber wenigstens ne Thigh Gap^^ (haha an dieser Stelle musste ich einfach mal wieder dieses ‚dachdach‘-Zeichen verwenden)

Ich denke es gibt auch viele Girls bei denen das Veranlagung ist, oder die eben noch jünger sind. Ich kenne das, ich war früher auch ein Skelett, obwohl ich alles in mich reingefuttert hab. Aber es gibt eben auch einen bedeutend größeren Teil, der dafür hungern muss. Dieses Hungern ist sicherlich nicht immer sofort Magersucht, aber es ist eben etwas, dass man für diesen Beruf wohl manchmal hinnehmen muss.

Ich hoffe ja sehr, dass sich das bald ändert. Ich bleibe aufjedenfall bei meiner sportlichen Figur und meinen Midnightfoodsessions 😀

Doch abgesehen von dieser nervigen Essensthematik war es natürlich auch mal interessant zu sehen, wie sich diese Models so verhalten.

Ich muss sagen, dass ich da wirklich positiv überrascht worden bin. Die Stimmung bei den Castings war eigentlich immer recht positiv, man wurde nicht böse abgecheckt oder hatte das Gefühl, dass man wo rein kommt und alle einen hassen, weil du Konkurrenz bist. Eigentlich wurde man gar nicht beachtet. 😀 Und das war eigentlich auch wieder ein Punkt den ich schade fand. Ich bin immer so ein funny Mensch, der einfach Leute anspricht oder eben in den Raum ‚Hallo‘ sagt, wenn er reinkommt – ich denke das finden manche Models komisch, weil viele einen eher zurückgezogenen, schüchternen oder auch arroganten Eindruck gemacht haben. Aber mir war das egal. Ich habe dadurch auch einige nette und coole Models kennengelernt und ich bin nach wie vor der Überzeugung, dass sich Nettigkeit und ganz normale Höflichkeitsformen irgendwie auszahlen.

Ansonsten ist jeder eben auf sich fokussiert. Man stellt sich an, wartet bis man dran kommt und dann ist der big Moment gekommen! 

Deine persönliche Minute um den Kunden von dir und deinen Lauffähigkeiten zu überzeugen. Gar nicht so einfach.

So war das zum Beispiel ziemlich witzig bei meinem Casting für Ethical Fashion, der Show zu der ich dann auch gebucht worden bin. Es war mein erstes Casting an dem Tag und auch grundsätzlich mein allererstes Casting. Im Vorraum habe ich versucht ein bisschen SmallTalk mit den Models zu halten, um rauszufinden, ob man die Hände zur Begrüßung schüttelt oder nicht. Nachdem ich keine brauchbare Antwort erhalten habe, dachte ich mir: Jo ok, dann gibst du eben einfach die Hand.

Hahaha und das führte dann zu einem etwas witzigen/peinlichen Vorfall. Freudestrahlend ging ich auf die zwei Damen mit der ausgestreckten Hand entgegen, um eine Sekunde danach zu hören: ‚Nein ich schüttel keine Hände‘ ouchh, naja ich habe dann gelacht, gesagt ‚ dann nicht‘ und meine Hand quasi in meine unsichtbare Manteltasche gesteckt. Dann durfte ich zweimal laufen und wieder gehen. Mein Gefühl nach diesem Casting kann man eher als missglückt beschreiben.

Letztlich verliefen dann alle weiteren Castings ähnlich bzw besser, weil ich keine Hände mehr schüttelte 😀 Trotzdem war es immer ganz schwierig einzuschätzen, ob der Kunde nun interessiert war oder nicht. Meistens hatte man ein schlechtes Gefühl und irgendwie zehrte das auch ein wenig an der Motivation sich wieder in eine endlose Schlange einzugliedern.

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Auf jeden Fall kam dann am nächsten Tag schon die Buchung für Ethical Fashion. Das war ein riesen Kick für mich und hat mich wieder richtig fokussiert und stolz gemacht. Dabei habe ich gelernt, dass man wohl nie Einschätzen kann, ob man nun genommen wird oder nicht. Denn gerade bei Ethical Fashion hatte ich mir keine Chancen mehr ausgerechnet.

Umso fröhlicher machte mich natürlich die Buchung auch in Bezug darauf mit wie vielen anderen Mädels und vorallem hochkarätiger Konkurrenz ich mich messen musste. Bei einem Casting mussten wir zu dritt antreten. Wir wurden gefragt, für wen wir schon alles so gelaufen sind und das Model neben mir meinte nur mit komplett gelangweilter Miene: ‚yeah in fact nearly for everyone- chanel, prada….‘ Da hatten wir natürlich keine Chance und waren auch direkt abgeschrieben. Auch einige Mädels von GNTM habe ich bei den Castings gesehen. Von daher habe ich mich schon ziemlich krass gefühlt, dass ich auf einmal so die selben Möglichkeiten wie so Vollzeit(profi)models hatte. Ich habe diese ganzen Fashionweekgeschichte ja eher mal aus Spaß und weil ich eben grade Zeit und spontan Bock auf Berlin hatte gemacht.

Wah gerade merke ich, dass ich noch ganz viel zu diesem Thema schreiben könnte, aber das wird nun wahrscheinlich alles auf einmal zu viel und falls sich jemand dafür interessiert, serviere ich das lieber mal in kleinen Häppchen zusammen mit Kaviar und Schinken.

Denn ich muss euch ja wenigstens noch kurz von meinem „großen Tag“ berichten 😉

Der war jedoch eigentlich wieder ziemlich gewohnt für mich. Schließlich habe ich inzwischen auch schon einige Modenschauen hinter mich gebracht, wenn auch nicht auf den großen Catwalks der Erde. IMG_2491.jpg

Ab 11.30 musste man dort antanzen. Dann wurde geschminkt, die Kleidung nochmal gecheckt (das Fitting fand schon einen Tag vorher statt) und schließlich gab es ne kleine technische Probe für die Musik. Laufen können wir ja. Ist ja nur so #10Metergeh

Irgendwann gab es dann ein mega leckeres Mittagessen und glücklicherweise auch Schokobrowniesss 😛

Und dann geht eben irgendwann die Show los.

Ich kann euch sagen, das war wirklich ein wahnsinns Moment, als ich dann das erste Mal ins Scheinwerferlicht gesteppt bin. Ich hatte wirklich Gänsehaut und habe versucht jeden Moment zu genießen. Vorne stand man dann wirklich im wahrsten Sinne des Wortes im Blitzlichtgewitter, wobei ich mich nun frage, wo man eigentlich all die Bilder finden kann 😀

Und dann ging es schnell raus, ins nächste Outfit und wieder anstellen.

Es hat wirklich super viel Spaß gemacht. An diesem Tag hab ich wieder gemerkt, warum mir modeln so viel Freude bereitet und warum ich das mache. Für mich ist das einfach eine Leidenschaft und ich mache das extrem gerne. Es wird nie meine Hauptaufgabe im Leben sein, aber so Nebenbei ist das schon recht schön. Auch die Stimmung unter den Models war total entspannt, weil man ja schon gebucht ist, und damit wohl keine Konkurrenz mehr. So hatte ich mich super mit nem Mädchen aus Paris verstanden und konnte auch endlich wieder etwas Französisch sprechen 🙂

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Abschließend lässt sich nun nur noch für mich sagen, dass es eine mega coole Erfahrung war. Ich bin schon so ein kleines bisschen stolz, dass ich das nun geschafft habe. Obwohl es natürlich weitaus schlauere Sachen gibt auf die es sich lohnt stolz zu sein, aber das war eben für mein Modelweg ein großer Schritt. Schreibt mir doch einfach, wenn ihr Lust habt noch ein wenig mehr über dieses Business zu erfahren. Ich werde es euch unverblümt mitteilen 🙂 Schon Ende dieser Woche werde ich wahrscheinlich in einer neuen Destination sitzen und dort nochmal mein Modelglück versuchen, das geht ja gerade, weil ich mein Semester schon in Frankreich abgeschlossen haben und das Studium somit für mich erst wieder im April weitergeht.

Also liebe Leute, bei den meisten ist ja gerade Klausurenphase, ich wünsch euch noch frohes Schaffen, nächstes Jahr muss ich da auch wieder durch ..:/ bzw war genau diese Prüfungszeit der Grund warum ich nicht schon viel früher mal zur Fashion Week nach Berlin bin… aber ich wünsch euch nun ne good Night!

best greeets, eure celine

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